Grosser Abendsegler Nyctalus noctula

Eine der größten in Deutschland vorkommenden Fledermäuse. Typisches Erkennungsmerkmal sind die glatten, rötlichen, seidig glänzenden und enganliegenden kurzen Haare und die Schnauze, die dieser Fledermausart ein „hundeartiges“ Aussehen verleihen. Abendsegler fliegen gelegentlich bereits während des Tags ab spätem Nachmittag. In der Nossentiner/Schwinzer Heide kann der Große Abendsegler regelmäßig beobachtet werden.

Steckbrief
LebensraumÄltere Laub- und Mischwälder, Gewässer, Parkanlagen, Müllkippen, Peripherie von Städten mit Baumbeständen. Von Mittelengland und Südnorwegen im Norden bis Malaysia im Süden. Extrem großes Verbreitungsgebiet von Nordafrika im Westen bis zum Ural im Osten. Im Sommer selten über 500 m vorkommend.
QuartiereWochenstubenverbände aus bis zu 60 Weibchen in Baumhöhlen, besonders in Buchen, selten in Nadelbäumen, Fledermauskästen, Fensterläden, Spalten in Betonbrücken. Im Sommerquartier häufig zusammen mit Wasser- und Breiflügelfledermäusen. Auch Männchenkolonien. Überwinterung von November bis März in großen Ansammlungen in Gebäuden, Höhlenspalten und dicken Bäumen. Machen größere Wanderungen im Frühsommer nach Nordosten und im Spätsommer nach Südwesten, auch tagsüber mit Schwalben. Wandern bis zu 1000 km, auch über Ost- und Nordsee. Die größte festgestellte Wanderung eines Tieres betrug 1500 km.
ReproduktionAb Mitte Juni Geburt der bis zu zwei Jungen, die meist von unterschiedlichen Vätern stammen (selten kommt es sogar zu Drillingsgeburten). Ab Ende Juli verlassen die erwachsenen Weibchen die Wochenstuben. Neugeborene Weibchen paaren sich zum Teil noch im ersten Jahr, Männchen wohl erst im Folgejahr. Ab August beginnen Männchen mit der Einrichtung von Paarungsquartieren, die durch Drüsensekrete markiert und gegen Konkurrenten verteidigt werden. Die Weibchen werden durch Balzgesänge angelockt. Es wird vermutet, dass es an Schwarmplätzen zu Massenbalzverhalten kommt. Während des Winters suchen die Männchen auch systematisch nach Weibchen, auch wenn diese wenig paarungswillig sind.
Größe• Kopf-Rumpf-Länge: 65 – 82 mm
• Unterarmlänge: 47 – 59 mm
• Flügelspannweite: 350 – 400 mm.
Gewicht21 – 30 g.
Farbe/FellWährend der Sommermonate rotbraun, während der Wintermonate graubraun. Enganliegend, seidiger Glanz. Gesicht und Flügel schwarzbraun.
OhrenformKurz, breit und abgerundet. Pilzförmiger Tragus.
FlügelLang, schmal.
FlugSchnell, geradlinig mit plötzlichem Sturzflugmanövern. Jagd in praktisch allen Landschaftsgebieten, häufig auch an Straßenlaternen, seltener jedoch in Nadelwäldern. Ausflug meist bei Sonnenuntergang. Flughöhe während der Jagd bis zu 50 m über dem Boden. Jagd bei gemäßigten Temperaturen auch im Winter, sogar tagsüber.
UltraschalllauteEs lassen sich typische frequenzmodulierte „Plipp“-Rufe von nahezu konstantfrequenten „Plopp“-Rufen unterscheiden, die im Fledermausdetektor unverkennbar sind. Die Startfrequenzen der „Plipp“-Rufe liegen bei 30 – 60 kHz, ihre Endfrequenzen bei 22 – 28 kHz. Die Hauptfrequenz liegt meist bei 18 – 26 kHz. Die „Plopp“-Laute (17 – 21 kHz) hinterlassen einen knallenden Höreindruck. Besonders die trillernden und lauten Sozialrufe sind typisch. Verwechslungsgefahr besteht eigentlich nur zum Kleinen Abendsegler.
Gefährdung„Least Concern“ (IUCN Rote Liste 2016). Natürliche Feinde sind vor allem Greifvögel, Eulen und Marder. Bestandsrückgänge aufgrund Abholzung älterer Bäume, Trockenlegung von Feuchtgebieten, Verlust von Spaltenquartieren an Gebäuden und des Einsatzes von Pestiziden. Eine besondere Gefahr während der Wanderungen stellen Windkraftanlagen dar.