Fransenfledermaus Myotis nattereri

Kleine bis mittelgroße Fledermaus. Am Rand der Schwanzflughaut befinden sich steif nach unten gekrümmte Haare (die „Fransen“). Verwechslungsgefahr mit Wasserfledermaus, jedoch wesentlich kleinere Füße. Sehr häufig in der Nossentiner/Schwinzer vorkommend und dort eine der Hauptuntersuchungsarten.

Steckbrief
LebensraumIn nahezu allen Waldtypen, auch in lichten Wäldern mit Schneisen, Parkanlagen, Feldwege mit Sträuchern, Obstgärten, Teiche und kleine Flüsse. Sehr weit verbreitete Art. Von Südfinnland im Norden bis Marokko im Süden. Von Spanien im Westen bis Russland im Osten.
QuartiereWochenstubenverbände aus 20 bis 50 Tieren in Baumhöhlen, Vogel- und Fledermauskästen, Spalten, Fensterläden, selten direkt in Gebäuden, aber in unverputzten Hohlblocksteinen. Einzelne Männchen auch in Wochenstuben zu finden, bilden aber auch eigene Kolonien. Häufige Quartierwechsel und wechselnde Aufspaltung in Unterkolonien („Fission-Fusion“). Besonders nach Quartierwechseln findet ein morgendliches Schwärmen vor den Quartieren statt. Sehr ortstreu. Im September und Oktober in großen Mengen an Schwarmhöhlen an denen Tiere aus einem Umkreis von über 400 km2 zusammenkommen. Überwinterung von Oktober bis April in Höhlen, Stollen, Bunkern, Kellern in Spalten oder zwischen Geröll in großen Ansammlungen, die bis in die tausende gehen können.
ReproduktionGeburt der Jungen zwischen Anfang Juni und Anfang Juli. Jungtiere nach ca. vier Wochen selbständig. Die Paarung erfolgt sowohl während der Schwarmzeit als auch im Winterquartier.
Größe• Kopf-Rumpf-Länge: 42 – 50 mm
• Unterarmlänge: 34 – 44 mm
• Flügelspannweite: 240 – 280 mm.
Gewicht7 – 10 g.
Farbe/FellOberseite grau bis graubraun, scharf von der hellen, grauweißen Unterseite abgegrenzt. Schlanke, fleischfarbene Schnauze.
OhrenformLang mit 5-6 Querfalten am Außenrand. Langer, spitzer, leicht geschwungener Tragus, der im Gegensatz zur Wasserfledermaus länger als das halbe Ohr ist.
FlügelUnverwechselbares Kennzeichen in ein S-förmigen Sporn, der die Schwanzflughaut schützt. Rand der Schwanzflughaut mit dichten Borsten.
FlugSchwirr- oder Rüttelflug. Relativ langsam, aber sehr wendig. Oft direkt über Sträuchern. Liest Beute mit der Schwanzflughaut direkt von Vegetation ab („Gleaning“) oder fängt sie im Flug. Wurde auch dabei beobachtet, auf frisch gemähten Wiesen zu landen, um „zu Fuß“ Beute zu machen. Umfliegt Menschen in der Nähe der Wochenstuben. Über Wasseroberflächen fliegen sie höher als Wasserfledermäuse und fallen durch plötzliche Wendemanöver auf. Insgesamt sehr breites Beutespektrum, aber darauf spezialisiert, Spinnen aus ihrem Netz oder Weberknechte und Schnaken vom Substrat abzulesen. Ausflug ca. 30 – 60 min. nach Sonnenuntergang. Können sich auch gut auf dem Boden fortbewegen.
UltraschalllauteSehr starke Frequenzmodulierung. Startfrequenz bei 100 – 150 kHz, Endfrequenz bei 20 – 35 kHz. Keine klare Hauptfrequenz, diese bewegt sich zwischen 32 und 48 kHz. Daher sehr trockene Rufe. Neigt zu auf- und abschwellenden Rufen nahe Sträuchern und Baumkronen. Auffällig sind die enormen Frequenzbandbreiten. Dennoch starke Verwechslungsgefahr mit Wasser- und Bartfledermaus, ebenso zu Braunem Langohr.
Gefährdung„Least Concern“ (IUCN Rote Liste 2008). Bestände insgesamt sehr stabil. Dietz et al. 2007 weisen darauf hin, dass die Fransenfledermaus neben dem Braunen Langohr als „Gleaner“ am häufigsten an Fliegenfängern kleben bleiben und dann qualvoll verenden.